Debattenkultur: Sind wir alle hyperreaktiv, Annekathrin Kohout?
Shownotes
Sind Liken, Teilen und Kommentieren etwas Politisches? Wenn es nach der Gästin in dieser Folge des re:publicast geht: absolut. Annekathrin Kohout, promovierte Kulturwissenschaftlerin und Mitherausgeberin der Buchreihe „Digitale Bildkulturen“, blickt in dieser Episode tief in die Mechanismen unserer digitalen Debatten. Sie erklärt im Gespräch mit Host Jonas Ross, warum unsere alltäglichen Klicks längst keine belanglosen Handlungen mehr sind, sondern zum zentralen Schauplatz im Kampf um gesellschaftliche Deutungsmacht geworden sind. Kurz gesagt: Reaction is king! Was das bedeutet und wie das Diskurse verändert, weiß Kohout.
Wo früher Prozeduren den Diskurs kanalisierten und bändigten, herrscht heute oft das „unberechenbar Ereignishafte“ der sozialen Netzwerke. Kohout analysiert, wie Algorithmen gezielt Reaktionen, Beurteilungen und Provokationen belohnen. Was das mit unserem Miteinander macht und warum Online-Kommunikation heute so oft von einer chronischen Überreizung geprägt ist, ist eines der Kernthemen dieses intensiven Austauschs.
Im Zentrum steht dabei Kohouts 2025 im Verlag Klaus Wagenbach erschienenes Buch „Hyperreaktiv“. Darin untersucht sie die Konsequenzen einer Kultur, die fast ausschließlich aufs Reagieren und Polarisieren ausgelegt ist. Von Memes bis hin zur politischen Instrumentalisierung von Bildern zeigt sie auf, mit welchen Methoden im digitalen Raum heute Meinung gemacht wird. Dabei nimmt sie auch die Rolle in den Blick, die wir alle als Verstärker dieser oft gefährlichen Mechanismen einnehmen – und fragt nach der Hoffnung auf einen wieder demokratischeren Diskurs. Wie man trotz ständiger Erregung den Überblick im Netz behält, wie digitale Diskurse unser Miteinander auch in der analogen Welt beeinflussen und was wir selbst tun können, um zu einer besseren Debattenkultur beitragen zu können.
Transkript anzeigen
00:00:00: Beginnen wir diese Folge mal mit einem Leckerbissen für Philosophiestudierende.
00:00:08: Michel Foucault hielt neunzehntsiebzig eine Vorlesung am Collège de France, die Ordnung des Diskurses war das Thema.
00:00:17: Foucot definiert darin den Begriff und die Mechanismen eines Diskursus – und ersetzt etwas voraus!
00:00:29: Ich setze voraus, dass in jeder Gesellschaft die Produktion des Diskurses zugleich kontrolliert, selektiert, organisiert und kanalisiert wird.
00:00:38: Und zwar durch gewisse Prozeduren, deren Aufgabe es ist, die Kräfte und Gefahren des Diskorses zu bändigen, sein unberechenbar Ereignishaftes zu bannen, seine schwere und bedrohliche Materialität umgehen.
00:00:53: Nun kann man sagen... Diese Definition, diese Grundlage eines Diskurses gilt noch im Zeitalter von Social Media?
00:01:02: Das kann sich ja jede und jeder einmal fragen.
00:01:05: Er wird den Boden des philosophischen Pro-Seminars verlassen!
00:01:10: Vor Kursdiskursanalyse scheint durch die sozialen Medien eher wie aus der Zeit gefallen... Und trotzdem verwenden wir natürlich das Wort Diskurs immer wieder wenn wir über die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen auf Social media sprechen.
00:01:24: Doch die Art von Diskurs, die dort stattfindet ist hitzig.
00:01:28: Unkontrolliert, unkanalisiert.
00:01:30: Ordnung herrscht wenig und ständig verändern sich die Trends der Kommunikation Und eine Handlung prägt die digitalen Diskurse besonders Die Reaktion Weil Likes, Reaction-Videos und Kommentare längst keine belanglosen individuellen Handlungen im digitalen Raum mehr sind.
00:01:56: Was macht das mit dem gesellschaftlichen Diskurs?
00:02:00: Warum ist Online-Kommunikation geprägt von Überreizung, wie wird im digitalen Raum mit Bildern, Memes und Interpretation Politik gemacht.
00:02:10: Und mit welchen Methoden wird durch die Provokation von Reaktionen in den sozialen Medien um Deutungsmacht gekämpft?
00:02:17: Darum geht es jetzt!
00:02:20: Das ist der Republikast.
00:02:22: Mein Name ist Jonas Ross und in diesem Podcast spreche ich mit Menschen, die auf den vielen Bühnen, in unzähligen Gesprächen und mit ihrem Wissen und ihrer Meinung auf der Republikan die Themen unserer Zeit verhandeln.
00:02:38: Diese Folge ist auf der republika Hamburg entstanden im Rahmen des Reeperbahnfestivals Ende zweitausend
00:02:45: fünfundzwald.
00:02:54: Dieser Diskurs hat sich natürlich vor allem jetzt erstmal dadurch geändert dass eben so viele Menschen mitsprechen können Und das nicht mehr so ganz klar ist, wer sind denn unsere Autoritäten eigentlich?
00:03:04: Das ist Anne Katrin Kohut.
00:03:06: Ich beschreibe meinem Buch die sozialen Medien als eine sogenannte Reaktionskultur.
00:03:26: Kohut hat Bücher über Netzfeminismus, Nerds und K-Pop
00:03:30: geschrieben.
00:03:30: Und in ihrem neuen Buch von dem sie hier spricht beschäftigt sie sich mit der Frage wie in den sozialen Netzwerken um Deutungsmacht gekämpft
00:03:39: wird?
00:03:54: involviert sind.
00:03:56: Hyperreaktiv, so heißt ihr Buch das im Verlag Klaus Wagenbach erschienen ist.
00:04:02: Kohut untersucht darin welche Konsequenzen es für Diskurs und Debatte hat wenn soziale Netzwerke zunehmend auf reine Reaktion ausgelegt sind.
00:04:10: Aufs reagieren Teil polarisieren.
00:04:13: Ich habe sie in Hamburg getroffen Und sie hat mit mir gesprochen über ihre Bestandsaufnahme der digitalen Debatten über die Rolle, die wir alle beim verstärken gefährlicher Mechanismen einnehmen.
00:04:24: Über Reaktionskultur, Deutungshoheit und über die Suche nach der Hoffnung auf einen demokratischeren Diskurs.
00:04:53: Mein Gast in dieser Folge vom RepublikHast ist Anne-Kathrin Kohut und ich habe die große Freude sie zu begrüßen.
00:05:00: Hallo Anne-Cathrin!
00:05:00: Hallo
00:05:01: Schön dass du da bist.
00:05:03: erzähl mal ein bisschen über das Buch.
00:05:04: warum hast Du das geschrieben?
00:05:06: Und worum geht's?
00:05:08: Also, mein Buch heißt ja Hyperreaktiv wie in sozialen Medienumdeutungsmacht gekämpft wird und ich beschreibe meinem Buch die sozialen Medien als eine sogenannte Reaktionskultur.
00:05:23: Was heißt das?
00:05:24: Das heißt erstmal, dass natürlich die sozialen Medien architektonisch und infrastrukturell eigentlich so aufgebaut sind.
00:05:31: Dass man immer reagieren muss beziehungsweise man reagiert automatisch indem man konsumiert also selbst sich etwas lange anschauen wird ja quasi für die Plattform schon als eine Art von Reaktion gemessen Die Auswirkungen darauf hat was anderen wieder angezeigt wird.
00:05:46: Also es gibt sozusagen diese technische Eigenheit der sozialen medien dass sie eben reaktionen befördern aus verschiedenen Gründen, vor allem natürlich ökonomischen Gründen für die Plattform.
00:05:57: Und mich hat so ein bisschen interessiert wie schreibt sich jetzt sage ich mal dieses technische Element auch in unsere Kultur und unser soziales Miteinander ein?
00:06:07: Denn ich glaube es ist eben nicht nur eine Reaktionsökonomie, die entstanden ist.
00:06:12: also dem Begriff gibt's schon und den finde ich auch sehr begründet aber ich glaube Es gibt mittlerweile auch eine Reakzion Kultur, weil natürlich in dem Moment wo Reaktionen so ein wichtiges Instrument auch teilweise geworden sind.
00:06:28: Wir natürlich anders miteinander umgehen in den sozialen Medien und vielleicht doch nicht nur in den socialen Medien.
00:06:34: Und dass wir auch sozusagen alles was wir am Kultur produzieren mehr denn jeder nach ausrichten das ist Reaktion hervorruft, dass es wie ich immer so gerne sage reaktionstauglich Und das schaue ich mir so ein bisschen an im ersten Teil meines Buches.
00:06:50: Im zweiten Teil interessiere ich mich eher für sehr instrumentelle Formen von Reaktionen, also auch um die Frage wie Reaktion als Interpretation, wie nehme ich Inhalte wahr?
00:07:04: Wie frame ich sie?
00:07:05: Wie kontextualisiere ich Sie und kann es zu einem politischen Instrument werden?
00:07:11: Du hast ja auch eine Vergangenheit dich mit Kunst viel zu beschäftigen der Vergangenheit in ganz andere Richtungen gearbeitet.
00:07:20: Wobei ich mich doch frage, hat das Buch auch was zu tun mit vergangenen Arbeiten von dir?
00:07:25: Auf jeden Fall!
00:07:26: Ich glaube tatsächlich dass das Buch so ziemlich die Arbeit der letzten fünfzehn Jahre also meine Arbeit in den letzten fünfzig Jahren auch ein bisschen zusammenfasst.
00:07:35: es ist richtig Kunst, Geschichte bzw.
00:07:38: eigentlich eher Bildwissenschaft und ich hatte auch noch mal nachgeguckt.
00:07:41: Ich glaube so vor zwölf, dreizehn Jahren habe ich meinen ersten Text geschrieben den ich damals genannt hab Kickoff-Bilder Und es ging doch ein bisschen um die Tumblr Ära.
00:07:52: und da war so mein Gedanke.
00:07:55: Mein Gedankel war damals Mensch oder mir ist aufgefallen Die Bilder, die oft geteilt werden sind auf die, die eine sogenannte Kickoffqualität haben.
00:08:04: Also die irgendwie so ganz einfach sind und die man dann ganz schnell nachmachen kann und dann auch hochladen sozusagen und dann natürlich mit dem Wunsch viel geteil zu werden und viral zu gehen.
00:08:14: Und das ist natürlich total interessant diese Verschiebung in der Produktion von Kunst zu sehen und vor allem damals auch schon der Gedanke, naja es ist nicht aus der Kunst herausgekommen sondern eigentlich Infrastruktur sozialer Medien heraus entstanden und deswegen interessiert mich das eigentlich schon ja bestimmt zehn Jahre.
00:08:34: Und irgendwie war dann auch so der Gedanke, und deswegen ist das Buch dann glaube ich auch entstanden diese vielen unterschiedlichen Aspekte der Reaktionskultur die mich in einzelnen Texten immer schon beschäftigt haben.
00:08:45: Ich habe auch so Essays über Reaction Videos geschrieben zum Beispiel dass sich damals mega Picture draus mache, weil ich dann irgendwann das Gefühl hatte, warte mal alle meine Themen oder ne?
00:08:55: Alle kulturellen Eigenarten die gerade so entstehen haben irgendwie damit zu tun und es scheint also irgendwie eine grundlegendere Entwicklung oder ein Grundlegender Wandel zu sein der da stattfindet.
00:09:07: Und da war's so der Wunsch von mir das einfach mal zu fassen auch
00:09:10: interessant.
00:09:11: was sich daran so spannend finde muss ich grad dran denken.
00:09:14: wurde auch Tamla ansprichst.
00:09:16: Instagram beispielsweise hat ja auch angefangen mit einem harmlosen Umfeld für sagen wir jetzt mal im weitesten Sinne Kunst.
00:09:22: Also Fotos oder für das Teilen von, wenn man es jetzt mal ganz groß sagen möchte kulturellen Inhalten.
00:09:29: also ist ja auch interessant dass in der Zeit wo du dich damit beschäftigst diese im weiteste Sinne künstlerische Plattform oder so kulturelle Plattform geworden ist zu einer krass politischen Plattform.
00:09:41: Diskurs, sich da so ein bisschen vermischt haben.
00:09:43: Spielt das auch eine Rolle?
00:09:44: Also dass man das vielleicht gar nicht mehr trennen kann auf diesem Plattform?
00:09:47: Ja absolut!
00:09:50: Auch das ist so'n Aspekt der mich meiner Arbeit viel interessiert.
00:09:53: wie politisieren sich Inhalte und es hat viel damit zu tun, dass ich eben die sozialen Medien schon so lange beobachte.
00:09:58: Und ich stimme dir zu gerade Instagram ist ein sehr gutes Beispiel dafür für ne erstmal sehr unpolitische Plattform und aber auch ein gutes Beispiel dazu wie dennoch diese Mechanism in der Reaktionskultur In dem Moment, wo man sie kapiert hat.
00:10:14: Wo man weiß was die für Auswirkungen haben wie man diese Plattformen nutzen kann auch politisch sie genutzt werden.
00:10:22: also es braucht natürlich eine gewisse Zeit um an den Punkt zu kommen das zu verstehen Erfahrung um diese Mechanismen irgendwie zu spüren um sie dann instrumentalisieren zu können auch politische instrumentalisierend zu können und ich glaube deswegen war's am Anfang nicht so jetzt ist stärker.
00:10:37: aber natürlich liegt es so ein bisschen auch in Geist der Zeit einfach, weil man ja schon beobachten kann, dass die Krisensituationen sich verschärft haben und das natürlich viel mehr passiert.
00:10:49: Wo man so ein bissel das Gefühl hat ... Ja, man hat auch das Gefühl etwas tun zu wollen.
00:10:56: Und für viele ist dann natürlich das Einfachste was man tun kann vielleicht eben genau was zu liken zu teilen, zu kommentieren online also da kommen wahrscheinlich mehrere Sachen zusammen.
00:11:06: aber Ja, also diese Entwicklung sehe ich auf jeden Fall auch sehr deutlich.
00:11:10: Es ist ja aber schon interessant dass eigentlich vor allem Instagram so... Also sagen wir mal jetzt in den USA gestartet, sondern recht schnell auch in Anführungszeichen westliche Gesellschaft vor allem eben genutzt in Europa und in den USA Und wo man ja sagen muss Die politischen Probleme und auch die sozialen Probleme liegen auf der Hand.
00:11:31: Aber dass man so eine Plattform, die in erster Linie für genau das steht ... Für so ne Wohlstandsgesellschaft eben nicht für die soziale und für die politische Probleme.
00:11:40: Dass ausgerechnet in einer Gesellschaft wie den europäischen Gesellschaften oder den USA zu so ner politischen Plattform wird ist ja eigentlich interessant.
00:11:48: Und dann noch interessanter, dass es ausgerechnet so ein krass extrem... Art kriegt, wie die Diskurse dann geführt werden.
00:11:56: Weil ich meine, ich will jetzt nicht sagen ... Die Probleme finden woanders statt.
00:12:01: aber so ein bisschen ist es ja so.
00:12:02: also das eine Gesellschaft, die eigentlich ihren Wohlstand über diese Medien teilen möchte Dann einen harten Diskurs führt auf diesen Medien ist ja auch interessant der Entwicklung.
00:12:11: Also ich finde es gar nicht so überraschend glaube ich weil zum Einen waren zumindest lange natürlich westliche Medien frei.
00:12:20: Wie das Jetzt ist darüber können wir glaube ich dann Ich weiß nicht, müsste man neu diskutieren und abwarten.
00:12:26: Aber sie war lange frei und zum ersten Mal menschheitsgeschichtlich für die unterschiedlichsten Menschen zugänglich.
00:12:34: Deswegen kann man schon sagen dieses Gefühl einer Demokratisierung von ... Ja, medial im Zugang.
00:12:42: Das hat ja wirklich stattgefunden und natürlich haben dann sozusagen auch Menschen die zum Beispiel aus einer Minderheitenposition heraus sprechen diese Möglichkeit ergriffen und eben nicht nur ihren Kaffee geteilt sondern vielleicht auch ihre Anliegen oder ihre Erfahrungen geteiled um sie auch für andere verständlich zu machen und in dem Moment natürlich wo es vielleicht für andere Ja, dann liegt es auch nahe Alley zu werden.
00:13:10: Oder da liegt es zumindest nahe, ja vielleicht das Ernst zu nehmen und plötzlich eine Möglichkeit für sich selber zu sehen doch politischer zu handeln oder in einer eigene Machtposition ein bisschen zu teilen oder so.
00:13:27: Ich finde eigentlich diesen Mechanismus sehr naheliegend.
00:13:30: tatsächlich dass das irgendwie von Stappen ging positiver.
00:13:35: Es muss gewesen, der auch dann ja durchaus realpolitische Folgen hatte.
00:13:40: also ich meine es hat sich ja in den letzten zehn Jahren auch erstmal vieles verändert.
00:13:46: wir sprechen jetzt natürlich so ein bisschen von dem Backlash und einem Weibschiff den sehe ich auch.
00:13:50: aber konstatieren kann man bis jetzt hatte das natürlich auch durchaus ja im positiven Sinne folgen.
00:13:58: also ja
00:14:00: total.
00:14:01: Es gibt ja auch immer eine interessante Beobachtung, dass bestimmte gesellschaftliche Fortschritte sich durchsetzen unabhängig von meinetwegen der politischen Führungen oder so.
00:14:09: Der Anstoß scheint dann ja auch Früchte zu tragen.
00:14:12: Jetzt ist das aber schon eine ganze Weile her und seitdem hat sich eine ganze Menge getan und vor allem hat sich ja das Klima der Debatte verändert weil du sprichst ja auch davon von Diskursen die online stattfinden.
00:14:24: da fände ich es eigentlich wichtig zu klären was is denn eigentlich ein... Diskurs.
00:14:28: Wenn jeder alles, jeder zerteilen kann auf alles immer reagieren kann was qualifiziert sich als Diskurs im den sozialen Netzwerken?
00:14:39: Ich glaube das hat sich eben so fundamental verändert auf allen Ebenen die man sich nur vorstellen kann.
00:14:45: also Diskurs jetzt auch in so einem ja fokusschen Sinne ist ja erstmal wie soll ich sagen Die Summe aller Diskussion alle Debatten aller Sprecherinnen Positionen die es gibt so ein bisschen vielleicht auch das, was dann sich als die sogenannte öffentliche Meinung wenn es die überhaupt noch gibt sozusagen auch durchsetzt.
00:15:04: Das ist ja oft dann so das Ergebnis eines Diskurses dass es eine dominierende Haltung vielleicht dazu gibt.
00:15:11: Dass es deutlich fragmentiert geworden.
00:15:13: aber dieser Art von Diskurs hat natürlich klassischerweise oder im zwanzigsten Jahrhundert vor allem unter den Bedingungen der traditionellen Medien stattgefunden.
00:15:26: Es gab Fernsehen, Radio, Zeitungen und Zeitschriften.
00:15:31: Diese Autoritäten haben diesen Diskurs im Wesentlichen geprägt.
00:15:40: natürlich auch mit ihrer Autorität im Hintergrund.
00:15:42: Aber zu Diskurs gehört eben wirklich alles, natürlich im Endeffekt gehört auch da wie wir jetzt drüber sprechen.
00:15:46: das gehört genauso dazu wie man in den Wissenschaften darüber spricht wenn man jetzt den Klima-Diskurs nimmt.
00:15:52: es gibt sehr unterschiedliche Position und all das in der Summe nennt man eben den Diskurs im Vergleich zum Beispiel zur Debatte wo man vielleicht klarer sagen würde, es gibt zwei Positionen.
00:16:04: Eine ist dafür und eine ist dagegen.
00:16:06: Es geht so ein bisschen darum, wer gewinnt.
00:16:07: oder zur Diskussion, wo's vielleicht eher darum geht, Nenner zu finden?
00:16:11: Man hat unterschiedliche Perspektiven aber man hat jetzt eigentlich den Wunsch sich auf etwas zu einigen oder Kompromisse zu finden oder so.
00:16:21: Dieser Diskurs hat sich natürlich vor allem dadurch geändert dass ebenso viele Menschen mitsprechen können und das nicht mehr ganz klar ist, wer sind denn unsere Autoritäten eigentlich?
00:16:31: Und ich glaube, das hat wieder viel auch mit so einer Verdachtskultur zu tun.
00:16:35: Dass man auch systematisch in den sozialen Medien lange daran gearbeitet hat, die etablierten Institutionen unter Verdacht zu stellen also ihre Autorität ihnen abzuerkennen von unterschiedlichen Perspektiven eigentlich, sodass sie auf jeden Fall mindestens nicht mehr die einzigen sind, die Autoritäten haben und Ich würde sogar soweit gehen und sagen dass Sie oft tatsächlich eher sekundär sind sag ich mal Tonangeberinnen, doch erst einmal in den sozialen Medien sich befinden und dort eben sehr schnell vielleicht ein Thema identifizieren.
00:17:11: Und das auch sehr schnell Wie soll ich sagen, hoch chesten können und dann reagiert sozusagen der Journalismus darauf.
00:17:19: Und greift das auf?
00:17:20: Ja.
00:17:21: Dann reagiert vielleicht auch, weiß ich nicht die Universitätsmitarbeiterin darauf und greift es im Seminar auf und bespricht das mit ihren Studierenden
00:17:29: usw.,
00:17:30: aber mein Eindruck ist schon dass fast alle oder sehr viele gegenwärtigen Diskurs Themen identifiziert werden oder gesetzt werden oft in den sozialen Medien von Menschen, die manchmal vielleicht schon eine gewisse Autorität sind.
00:17:43: im Sinne von sie haben ne große Community sich aufgebaut.
00:17:47: Oder manchmal ist es auch wirklich Zufall also das ist ja auch so ein Element vielleicht irgendwie der sozialen Medien dass Dinge auch random passieren können sozusagen oder dass etwas aufgegriffen wird dann von einer Autorität weil sie viele FollowerInnen hat und so weiter.
00:18:04: Diese Bedingungen eigentlich von Diskurs haben sich komplett verändert.
00:18:12: Ich finde es super spannend, dass man diese Begriffsunterscheidung klarzieht, weil ich glaube gerade wenn etablierte Medien Anführungszeichen oder Qualitätsmedien wie sie dann manchmal genannt werden... Diese Beschreibung oder diese, sagen wir mal, diese Gegenwartsanalyse irgendwie ziehen.
00:18:31: Was passiert in den sozialen Netzwerken?
00:18:32: Wie passieren auch Debatten und wie passieren das Kurse?
00:18:35: Vermischt sich ja erstens ganz viel in der Begrifflichkeit.
00:18:37: also Debatte des Kurs wird oft irgendwie als es selber betrachtet Und gleichzeitig ist es ja auch so dass man immer unterstellt Es ist alles aufgeheizt, es ist alles entglitten, es is pures Chaos.
00:18:52: Ich kann mich davon nicht freimachen, dass es auf meine Wahrnehmung ... Wenn ich jetzt diese Themenblicke mit denen du dich beschäftigt hast.
00:18:58: Dass auch ich mir denke Wahnsinn.
00:19:00: also wie findet man da einen Angang eine grundsätzliche Debattenkultur zu definieren?
00:19:05: Wie sie ist wo man eine Reaktionskultur vielleicht was Gutes hat Wo sie etwas Schlechtes hat?
00:19:10: Also wie sortiert man eigentlich Diese Masse an Debatten also den Diskurs der online stattfindet
00:19:20: Also ich weiß gar nicht, ob es darum geht ihn zu sortieren.
00:19:26: Die den gesamten Diskurs also alles was gestritten wird online kann man nicht bewerten.
00:19:30: das ist zu zerfasert?
00:19:32: Nee natürlich nicht.
00:19:33: aber es ist ja auch nicht die einzige Komponente von einem Diskurs.
00:19:36: ne Es ist eine große es ist eine sehr einflussreiche.
00:19:39: also Ich meine zum Diskurs gehört immer auf die Frage wer spricht mit wie viel macht oder mit wieviel Einfluss.
00:19:46: und ich würde sagen Viele verschiedene Stimmen in den sozialen Medien sind sehr einflussreich für den Diskurs, aber natürlich gehört schon auch noch die Medien gehören genauso dazu wie politische Instanzen oder eben auch die Wissenschaft.
00:20:00: Ich setze es so bis in Anführungszeichen weil das irgendwie immer so pauschalisiert klingt.
00:20:04: Insofern ist es ein Teil unter vielen, aber dieser Teil ich würde da erst mal zustimmen.
00:20:09: Ich empfinde das auch als ja chaotisch.
00:20:11: Ich hab's grad irgendwie auf der Bühne spontan Wilder Westen genannt und hat mich in diese Idee verliebt weil die trifft wirklich was.
00:20:20: Weil sie.
00:20:20: so eine Sache ist mir aufgefallen jetzt auch an meinem Buch nämlich dass Autoritäten in den sozialen Medien oft dann entstehen wenn sie ein extrem gutes Timing haben.
00:20:33: Sie müssen schon eine Community so ein bisschen haben, aber wenn sie dann sehr schnell den Kollziehen und die Ersten sind.
00:20:40: Die eine bestimmte Lesart, die sehr anschlussfähig ist bieten.
00:20:44: Und ich glaube, das läuft ganz oft in den sozialen Medien.
00:20:49: Mein Ansatz ist natürlich ... Wenn man sich fragt wie kann man sortieren?
00:20:54: Aber wie kann vielleicht das analysieren?
00:20:57: Wäre eben wirklich all diese Mechanismen sehr ernst zu nehmen.
00:21:02: fast schon so fenomenologisch anzuschauen, ist natürlich auch ein Versuch für mich gewesen das in den Buch zu tun.
00:21:07: Ich kann natürlich nicht alle Facetten mir immer anschauen aber ich habe natürlich irgendwie versucht mir viele Mechanismen anzuschauern die mir persönlich aufgefallen sind und wahrscheinlich gibt es noch einige mehr.
00:21:19: Aber ich denke in dem Moment wo wir im Bewusstsein darüber entwickeln wie das funktioniert dann kann man sich nochmal ein bisschen anders dazu verhalten.
00:21:28: und deswegen ist natürlich irgendwie so die Grundidee dieses Buches diese Awareness, wenn man so will.
00:21:32: Also wirklich auch die Reaktionskultur als ein strukturelles oder Problem anzusehen – das auch uns alle betrifft und irgendwie alle, die wir online unterwegs sind, involviert sind -, dass das so darzustellen in der Hoffnung, in dem Wunsch, dass man dann irgendwie erst mal auf eine andere Art teilnimmt an dem Diskurs.
00:21:56: Ich glaube ansonsten kann man nur ... Wenn man jetzt die Frage stellt okay was ist oder was gehört zudem das Kurs, wenn nicht Klima.
00:22:04: Was auch immer dann... Klar muss man diese Vielstimmigkeit zeigen oder diese Zerfaserung oder diese Fragmentierung die es da gibt.
00:22:13: Also ich denke natürlich immer so ein bisschen in eine Metaposition zu gehen und einen Schritt zurückzugehen und von außen drauf zu schauen ist schon ein gutes Mittel.
00:22:23: dabei
00:22:25: Kannst du ein plastisches Beispiel nennen für die, also wie in dieser Situation, die du beschreibst oder diese Meta-Analyse, die Du vornimmst.
00:22:35: Wie da so die Reaktionskultur?
00:22:36: kann man das an einem Beispiel festmachen?
00:22:38: Der klassische Ablauf meinetwegen von der Debatte ist oder wie die Reakzonskultur Einfluss hat auf ein Beispiel was dir jetzt in den Kopf kommt.
00:22:45: Also ein Beispiel, was ich länger beschreibe.
00:22:47: im meinem Buch isst einen Posting des Greta Thunberg Ich glaube, so ungefähr zwei Wochen damals nach dem Angriff der Hamas auf Israel getätigt hat.
00:22:58: Und sie hatte so ein Foto von sich und ein paar Mitdemonstrierenden gezeigt also dass die so eindeutig zu einer Propelestein Demonstration gehen und auf den Knie einer der Personen auf dem Foto saß so einen kleinen Octopus, so eine Octopus-Kuscheltier.
00:23:17: Das schilderte ich relativ auch ausführlich und auch aus meiner Perspektive.
00:23:21: wie habe ich das wahrgenommen?
00:23:23: Denn das war ein typisches Beispiel, sie hat das gepostet und relativ schnell kam der Antisemitismus-Verdacht auf.
00:23:31: Das hatte viele Gründe.
00:23:32: zum einen natürlich weil schon zwei Wochen nach diesem Angriff die Lager sich aufgetan hatten jede Geste, sich für Pro-Palestine auszusprechen generell auch ein bisschen als antisemitisch erstmal eingeordnet wurde.
00:23:48: Aber der Octopus natürlich noch mal so als naja doch vielleicht explizites Attribut einer Ikonographie die man aus dem Antisemitismus eben kennt und gleichzeitig also meine erste Reaktion auf diese ersten Interpretationen auf das Bild war so ein bisschen zu sagen ach nee das ist doch jetzt nicht so gemeint es ist doch nur so'n Kuscheltier Das ist doch jetzt kein antisemitisches Symbol.
00:24:12: Warum sollte Greta Thunberg?
00:24:15: Es hat sich mir nicht erschlossen, aber je mehr Interpretationen ... dieser Art auf mich eingetroffen sind, dass du mehr fing ich an tatsächlich zu glauben okay das muss antisemitisch sein.
00:24:30: Weil wie kann eine Person die so Medien geschuld ist?
00:24:33: Wie kann der dieser Fehler passieren, dass man diese Oktopus also aus der antisemitischen Ekonografie ja so populäre Figur des Oktopus benimmt?
00:24:42: und irgendwann war ich mir sicher es ist antisemitische.
00:24:46: Und dann gab's so ne zweite Welle weil da kamen die ganzen sozusagen Autist die gesagt haben, nein.
00:24:53: Dieses Kuscheltier ist so ein ganz berühmtes Attribut der Autismus-Community weil es anzeigen kann man wendet das so ob man eben gerade glücklich ist oder nicht und dass das eigentlich unsere Ikonographienanführungszeichen jetzt in dem Fall und irgendwann dann war ich plötzlich gleich wieder so unsicher.
00:25:10: und dann ist mir aber aufgefallen also auch ich habe natürlich ganz ganz viele Screenshots gemacht über die ganze Zeit hinweg und hat mir auch diese Postings genau angeschaut wie unterschiedlich die Intentionen jeweils waren, die eine oder andere Lesart zu verbreiten.
00:25:27: Man hat sofort gemerkt, okay es gibt diese Fraktion die sich einfach nur wahnsinnig darauf freut jetzt endlich Greta Thunberg von ihrem Hohen Cross zu stoßen.
00:25:33: Es ging jetzt gar nicht darum ob sie wirklich antisemitisch ist oder nicht aber wir wollen natürlich einfach dass sie ihre Deutungsmacht verliert oder auch umgekehrt.
00:25:42: Die anderen wollten auf jeden Fall Greta Inschutz nehmen und vielleicht all diejenigen noch mal mehr anbrangern die sich hinter Israel gestellt haben usw.
00:25:52: Also es gab dann so ganz viele Intentionen.
00:25:55: Dann ist mir bei mir selber aufgefallen, okay.
00:25:58: Alle Sachen die ich mir angucke alle Likes die hier vergebe Ich habe nichts geteilt also ich bin immer schon ein bisschen vorsichtiger.
00:26:06: aber Die ja diese die bestärken natürlich die Personen in ihrer Interpretation und nicht nur die Person die einzelnen sondern eigentlich die ganzen.
00:26:15: Ja ich nenne das auch so die deutungsgemeinschaft denn oft quasi gibt es ja nicht nur eine person die deutet Sondern eigentlich gibt es schon so ne Community In der eine deutung vorherrscht die das dann eben so liest.
00:26:27: Und dann ist mir aufgefallen, ich selbst bin ein starker Teil davon und ich selbst bestimme natürlich nicht aktiv mit aber passiv sind meine Handlungen werden auch gemessen spielen eine Rolle sozusagen und genau in diesem Fall drösel ich das ein bisschen auf ja so verschiedene Arten und Weisen einfach auch der Interpretation aufgefallen sind, wie Leute davor gehen.
00:26:55: Ja eben bestimmte Deutungen zu bestärken oder andere eben in der Unsichtbarkeit dann auch verschwinden zu lassen oder mit ihren eigenen Deutung zu überschreiben und das es da wirklich richtige Deutungskämpfe gibt die auch mit Quantitäten zu tun haben also mit Wie viel like bekommt eine deutung?
00:27:12: deswegen muss eine deitung natürlich auch immer möglichst Ja, also nicht nur anschlussfähig sein von vielen Verstanden werden sondern auch popkulturell aufgearbeitet sein.
00:27:21: Also für mich ist es auch ein Meme zum Beispiel oft eine Deutung von einer Situation oder Ausdruck einer Deutungsgemeinschaft und das verbreitet sich dann natürlich auch wahnsinnig schnell und so würde ich vielleicht mal die Mechanismen beschreiben.
00:27:33: Super, super Beispiel glaube ich weil es ganz viele Punkte auf dich eingehen wollen würde irgendwie so ansprichtes.
00:27:40: eine ist Die Deutungen, die Interpretation von etwas also die Meinung Person XY, die darauf reagiert was Greta Thunberg postet.
00:27:51: Ist dann ja eine Reaktion und in dem Moment ist ja eigentlich sozusagen ursprünglicher Posts die Haltung dazu.
00:27:58: Die Haltung wieder dazu ist alles gleichwertig also es hat ja alle einen Gleichwertigkeit weil das alles im selben Kontext hochgeladen wird.
00:28:04: Alles auf derselben Plattform vielleicht ähnlich aufgearbeitet und was dann ja fehlt is ne Art von Moderation Bild.
00:28:13: ja wahrscheinlich, so verstehe ich es auch ein bisschen das rein was du vorhin gesagt hast welche Rolle Qualitätsmedien spielen.
00:28:17: Ja weil ich erinnere mich gut daran dass wenn man etwas dazu gelesen hat in den Qualitäten Medien also meinetwegen die Leitmedien in deutschen Es ist immer reaktiv oder diskriptiv.
00:28:28: Das ist passiert und dann hat Person X das gesagt und Person Y das gesagt.
00:28:32: Wo ich mich frage das was offensichtlich NutzerInnen bei Social Media gerade verstehen Also dass man Dinge einordnen muss müsste ihr eigentlich tun Und die Personen, die es einordnen, teilen ja nur ihre Meinung.
00:28:44: Also verlieren wir nicht so'n bisschen das Gefühl dafür, dass man... also für eine gewisse Objektivität ist der Diskurs dadurch nicht automatisch immer aufgeladen durch ne Haltung?
00:28:54: Absolut!
00:28:55: Diese Kritik teile ich tatsächlich sehr auch in meinem Buch wo ich nämlich versuche so verschiedene... wie transportieren sich diese Reaktionsmechanismen eben auch wirklich über den digitalen Raum hinaus.
00:29:09: Da ist Journalismus für mich auch ein Bereich, wo ich das sehr stark sehe und wo ich auch zustimmen würde, dass es immer so ein bisschen ... Also ah, finde ich verortet man vieles dann in dieses Internet und beschreibt das dann so etwas, was da passiert.
00:29:26: Das ist möglich aber es ist auch möglich, dass man vielleicht bestimmte Thesen oder Haltungen, die man sozusagen im Netz gefunden hat.
00:29:34: Ein Anfangszeichen als die eigenen ausgibt oder auf dieser Grundlage einen Artikel verfasst.
00:29:38: aber in beiden Fällen ist es ja was sehr sehr reaktives und für mich also Ist eigentlich auch ganz klar dass man nicht drum herum kommt das eben wirklich In dem Sinne auch einzuordnen dass man die Mechanismen ein bisschen versucht stärker aufzudecken, die in den sozialen Medien stattfinden und zu dieser Art von Polarisierung vielleicht führen.
00:30:00: Dass man irgendwie viel transparenter macht wie es vielleicht auch zu bestimmten Haltungen oder vielleicht zu bestimmte Meinungen gekommen ist und dass man sich nicht sozusagen also das man da irgendwie ja doch stärker raustritt und doch stärkern nochmal kontextualisiert.
00:30:13: ich will übrigens nicht sagen dass es gar nicht so ist aber die Tendenz ist natürlich da und mir ist auch aufgefallen Das, was ich vorhin meinte.
00:30:22: Dass irgendwie alle Setzungen eigentlich immer so ... Also auch Themen-Setzungen, Schwerpunktsetzungen für bestimmte Diskurse aus den sozialen Medien eigentlich kommen und Ich glaube es bräuchte mehr dieser Themensetzungen wirklich auch aus dem Anführungszeichen Qualitätsmedien, aus dem traditionellen Journalismus Und
00:30:43: vielleicht ja auch aus einem politischen Geschehen?
00:30:45: Ja gut das auch!
00:30:46: Ja, da sehe ich die Tendenz eben genauso.
00:30:51: Auch da ist man in so einem Reaktionsmodus gefangen und ich meine, da hat es glaube ich noch mal mehr damit zu tun dass reagieren wirklich immer auch bedeutet stückweit die Verantwortung für etwas abzugeben.
00:31:07: Man hat ja nur reagiert und das sehe ich zum Beispiel in der Politik sehr oft aber natürlich auch im Kleinen in den sozialen Medien sehr oft.
00:31:15: also was mir jetzt irgendwie bei der Sichtung all meiner eine Milliarden-Screenshots, die ich den letzten Jahren gemacht habe wirklich extrem aufgefallen ist.
00:31:23: Dass viele politische Inhalte immer in Abgrenzung zu schon bestehenden Positionen formuliert werden also eigentlich immer als Reaktion.
00:31:32: Also auch gerade jetzt zum Beispiel beim Krieg zwischen Israel und Gaza.
00:31:39: Es ist wirklich so, dass man sehen kann.
00:31:42: Pro-israelische Akteure versuchen immer ihre Position darauf zu begründen ... Dass sozusagen der Terror der Hamas zu wenig in den Medien repräsentiert wird und umgekehrt versuchen pro palästinische Positionen immer zu sagen wir müssen so laut sein weil unser Leid nicht in den Medien repräzentiert wird.
00:32:03: aber es hat immer eigentlich sowas antagonisierende in Abgrenzung zu etwas, was vermeintlich irgendwie ist.
00:32:14: Und das fördert natürlich auch noch mal so diese Polarisierung oder diese Mechanismen die dann zu einer Polarisierungen führen weil man immer in Abkränzungen Meinungen formuliert und gar nicht so... dass einfach mal so aus dem Positiven heraus zum Beispiel eine Solidaritätsbekundung macht.
00:32:28: Also das ist mir schon sehr stark aufgefallen also dieses Reagieren Art von Handlung.
00:32:36: Natürlich ist es auch mittlerweile wichtiger Content geworden, aber reaktiver.
00:32:43: Das heißt einer der sich so ein bisschen die Verantwortung abgebt, der sie ein bisschen dahinter versteckt ja nur zu reagieren und eben nicht selbst was zu setzen.
00:32:54: Ja das ist ein interessanter Punkt weil dann ja auch immer die Frage ist entstehen da nicht neue Ideen oder vielleicht konstruktive Ideen nicht automatisch immer aus irgendwie... was recycelt dem, was altem.
00:33:04: Also wo sind dann die neuen Impulse?
00:33:07: Das
00:33:07: ist vielleicht immer so, weiß ich nicht.
00:33:09: Wahrscheinlich!
00:33:10: Vielleicht gibt es wirklich etwas Neues oder eine neue Idee.
00:33:14: Aber es ist natürlich schwierig gerade aus einer politischen oder auch journalistischen Sicht einen Impuls zu setzen der vielleicht neu ist und anders ist weil's immer aufbaut auf irgendetwas.
00:33:28: Und an der Geschichte, die du jetzt auch erzählt hast rund um diesen Post von Greta Thunberg.
00:33:31: als zweites noch so besonders finde ist eigentlich die Macht von Symbolen und die Macht davon Dinge zu interpretieren oder über zu überinterpretieren je nachdem wie man das sieht.
00:33:46: Das erlebt man ja nun in zig verschiedenen Beispiels und ich finde ganz extrem es ja auch da wieder was auch im rechten Kulturkampf eine Riesenrolle spielt Dinge zu nehmen die vielleicht gar nicht da sind.
00:33:57: Also ich frage mich, fallen wir auf sozusagen einen rechten Kulturkampf rein?
00:34:02: Indem wir auf bestimmte Dinge reagieren und es bestimmte Dingen wichtig nehmen weil eine radikale Kraft, weil eine zerstörerische Kraft sagt ah das bedeutet ja dass und deswegen ist es so.
00:34:13: also gut.
00:34:14: oder ein anderes Beispiel ist hier auch diese ganze Geschichte die jetzt kürzlich lief um einen vermeintlichen Shitstorm rund um dieser Jeanswerbung
00:34:22: von
00:34:23: Sidney Sweeney genau ... wo dann später sich rausstellte, wenn man das sieht.
00:34:27: Es gab da nie einen Shitstorm zu!
00:34:28: Da hat niemand reagiert... Also die Geschichte an sich kann man jetzt finden wie man sie finden möchte?
00:34:33: Da kann man vielleicht drüber debattieren aber das Ausmaß was herbeigeredet wurde, was da angeblich für ein Hass auf diese Firma oder auf diese Situation eingepasselt ist existierte einfach nicht.
00:34:43: und das kommt ja immer von radikalen Kräften, die entweder ein Symbol nehmen oder eine vermeintliche Aufregung von einer progressiven Seite und sagen ihr habt da ein Shitstorm und Cancel Culture.
00:34:52: also fallen wir da nicht alle so ein bisschen drauf rein, dass bestimmte Dinge überinterpretiert sind?
00:34:57: Absolut ja.
00:35:00: Das ist auch tatsächlich das Herzstück von meinem Buch, was du gerade Überinterpretation genannt hast, nämlich Hyper-Interpretation.
00:35:08: Du siehst schon die vorselbe Hyper gefällt mir sehr gut!
00:35:12: Aber ich mache kurz die Unterscheidung, glaube Denn Hyperinterpretation empfinde ich als besonders perfid und deswegen auch als besonders gefährlich.
00:35:25: Und uns ist die Dimension, glaube ich noch nicht so richtig bewusst dieser Technik.
00:35:31: tatsächlich also unterscheide ich so ein bisschen logischerweise Interpretationen über Interpretations- und Hyperinterpretation.
00:35:37: Ich will das jetzt nicht allzu trocken machen aber es ist vielleicht irgendwie so'n bisschen wichtig weil an uns die Frage stellt, wie wollen wir miteinander umgehen?
00:35:47: Und Interpretation jetzt im besten herme-neutischen Sinne ist natürlich erstmal etwas was der Verständigung dient.
00:35:55: Eine Interpretion ist auch eigentlich immer erst mal dem Gegenüber wohlwollend – auch wenn man es sehr negativ interpretieren könnte… sollte man immer erst mal vom besten ausgehen.
00:36:07: Also es ist eigentlich eine sehr zivilisiertes Verfahren, sage ich mal und über Interpretationen ist immer schon sozusagen wie soll ich sagen dem Gegenstand von nicht mehr sowohl gesonnen das heißt man interpretiert schon etwas über weil es vielleicht gar nicht mehr nur ums verstehen geht weil man vielleicht Ja, schon eigentlich eine eigene Aussage irgendwie platzieren will.
00:36:35: Und Hyperinterpretation wäre für mich so eine rein instrumentelle Interpretation und mit Instrumentell meine ich dass man wirklich weiß jetzt zum Beispiel nehmen wir Kreatat Thunberg das wenn ich Kreataten berg als antisemitisch Framer oder ihr sie dieses Bild so interpretiere dann kann ich sie für gewisse Menschen diskreditieren.
00:37:05: Also es ist wirklich so ein ganz aktives Werkzeug in einem politischen Kulturkampf und man sieht das tatsächlich vor allem bei rechten Kulturen.
00:37:21: auf jeden Fall, ich finde, man muss auch vielleicht noch mal ein bisschen einen Unterschied machen.
00:37:26: Wann wird diese Hyperinterpretation zynisch?
00:37:30: Im Sinne von, es ist nicht nur instrumentell.
00:37:34: Sondern sie interessiert sich überhaupt gar nicht dafür, ob das noch mit Wahrheit zu tun hat oder nicht.
00:37:38: Ein bisschen Frankfurts Bullshit-Theorie sozusagen.
00:37:44: Also auch der Unterschied nochmal zur Lüge ist man interessiert dich überhaupt nicht mehr für die Wahrheit.
00:37:48: Es geht wirklich nur darum Deutungen zu machen Mit dem Ziel ja den Kulturkampf zu fühlen.
00:37:58: Das sieht man in der ganzen Breite gerade, dass das stattfindet.
00:38:01: Es findet schon seit sehr vielen Jahren statt.
00:38:03: Man nennt es ja auch den Great Meme War teilweise und ich denke schon, dass wir uns zu wenig damit auseinandergesetzt haben wie das funktioniert und wie das aussieht.
00:38:15: Und dieses Ausmaß der Hemmungslosigkeit sag' ich mal Wieder jedes, wieder jede Wahrheit.
00:38:29: Wieder jeden Anstand zu agieren.
00:38:33: Dass uns das doch als Gesellschaft... Also ich meine natürlich gibt es viele die da zu arbeiten.
00:38:38: Aber ich würde dennoch sagen dass ist noch viel zu unterbelichtet ist und ich glaube halt auch schon dieser Begriff der Hyperinterpretation hoffentlich so ein Beitrag dazu sein kann.
00:38:48: und in diesem Hyper steckt für mich eben auch, ich habe das vorhin schon so angedeutet eine popkulturelle Komponente weil Sie sind sich nicht nur sozusagen bewusst, dass sie damit jetzt gerade so ein bestimmtes Ziel verfolgen.
00:39:02: Sondern es geht schon auch darum zu unterhalten und sich selbst zu inszenieren.
00:39:08: Also es steckt ganz viel da drin in diesen einzelnen Formen von Hyperinterpretation.
00:39:15: Ja super spannend!
00:39:17: Stecken für mich auch wieder zwei Dinge darin?
00:39:18: Das eine ist das ich mich die ganze Zeit will wenn du das erzählst Diese Bestandsaufnahme macht sich mich immer wieder Frage Reaktionskultur setzt ja irgendwie voraus, dass die Menschen die daran teilnehmen und das sind ja so viel mehr Menschen als früher einem öffentlichen Großteil genommen haben.
00:39:35: Was eigentlich die Motivation ist?
00:39:36: Also ich finde es so spannend... Die ganze Zeit schwirten mir die Frage im Kopf rum was für ein Geldungsbewusstsein auch in vielen Dingen dahinter steckt.
00:39:46: also dass sie soziale Netzwerke dazu geführt haben, dass so ein Geldungsp bewusst sein besteht nicht mehr.
00:39:52: so häufig die Frage stellt, kann ich dazu was sagen?
00:39:55: Sollte ich da zu was sagen.
00:39:57: Bin ich qualifiziert etwas dazu zu sagen?
00:39:59: Nicht dass ich das jetzt irgendwie automatisch absprechen möchte aber wenn ich mir überlege zu vielen Themen mit denen ich mich intensiv beschäftige Ich würde niemals auf die Idee kommen öffentlich eine orchestrierte Reaktion irgendwie darauf zu machen weil ich mir denke vielleicht erst mal war man auch die Reaktionen ein bisschen fürchte vielleicht aber auch weil ich mich frage Was kann ich denn jetzt dazu beitragen, was habe ich denn dazu zu sagen?
00:40:21: Und ich finde das so interessant.
00:40:22: Weil es ist ja eine Masse an Menschen die reagiert auf Dinge und jeder bringt seine Meinung dazu ein... Wo kommt dieses Geldungsbewusstsein her?
00:40:31: Das ist für mich so schwer zu greifen.
00:40:33: Ja, interessant!
00:40:34: Das hat sicher viele unterschiedliche Gründe, dass Menschen immer eigentlich ein gewisses Geldungs- bewusstsein haben und es gab ja am Anfang der Internetforschung, sag ich mal, immer so ein bisschen diesen Vergleich mit dem Stammtisch.
00:40:47: den halte ich natürlich nur so für bedingt richtig.
00:40:50: also da stöß man auch schnell an die Grenzen dieser Metapher.
00:40:54: aber klar für viele hat das vielleicht gar nicht so diesen anderen Status.
00:41:00: Und das ist glaube ich wichtig, dass man wirklich da ein Bewusstsein schafft.
00:41:04: Dass es eine völlig andere Sache ist ob sie jetzt im Internet sozusagen diese Art von Diskussion oder Debatten führen die dann wiederum den Diskurs entsprechend beeinflussen oder ob Sie das irgendwie in Ihrem privaten Verwenden tun.
00:41:18: aber ich glaube es hat auch viel damit zu tun und deswegen muss ich wieder zurückkommen auf die Architektur der sozialen Medien dass man immer sich angesprochen fühlt.
00:41:29: Also ich glaube, es ist gar nicht immer so das Geltungsbedürfnis.
00:41:31: Ich glaube auch oft die Tatsache... Man sagt in der Forschung, dass soziale Medien Affordanz sind.
00:41:38: Die haben einen Aufforderungskarakter.
00:41:41: Wenn es in die Timeline kommt, denkst du, es an dich adressiert?
00:41:44: Du denkst, du bist angesprochen und natürlich in dem Moment wo das eine komplett andere Haltung ist oder eine komplett dann hat man ja sofort Emotionen dazu.
00:41:57: Das wird jetzt mir gezeigt, und da hat man sofort irgendwie auch gleich wieder den Reflex vielleicht darauf zu reagieren.
00:42:04: Und wir sind natürlich jetzt irgendwie vielleicht auch sehr Medien geschult aber super viele Menschen sind das natürlich auch nicht und geben sich dann diesen Reflex auch hin oder haben natürlich auch schon.
00:42:13: also ich finde es auch immer so spannend.
00:42:16: Ich glaube manche machen ist ein schon auch so sehr intuitiv in ihren Umgang mit sozialen Medien und die wissen schon auch dass sie ein bisschen Einfluss nehmen können und nutzen das dann eben auch so.
00:42:26: Und deswegen, glaube ich, kommt so Geldungsbedürfnis und dieses Aufgefordertsein – es kommt da so zusammen und ist dann wie eine explosive Mischung, dass sehr viel mehr sprechen als sie vielleicht sollten!
00:42:44: Ja, oder also das ist auch eine Frage man kann.
00:42:46: Auch zu Demokratisierung gehört natürlich auch, dass jeder diese Stimme nutzen kann und soll und darf.
00:42:53: Ich finde es einfach nur eine interessante Beobachtung weil ich bin durchaus jemanden den Haltung hat zu Themen die auch äußert.
00:42:59: aber ich würde immer von mir selbst sagen ich habe durchaus einen expressiven Charakter aber würde immer sagen oh dazu kann ich da jetzt nichts sagen.
00:43:06: und dann bin ich immer wieder verwundert wo man teilweise sieht, so viel gibst du auf deine Meinung dazu.
00:43:12: Soviel gibst Du auf Deine Haltung dazu, dass Du das angreifbar machst?
00:43:15: Das erfordert ja auch einen gewissen Mut muss man sagen.
00:43:19: Weiß ich nicht, also... Ich glaube für viele ist es gar nicht so mutig, weil sie sich sehr sicher fühlen auch in den angenommenen Meinungen und Haltungen.
00:43:29: Das meine ich auch vorhin als wir über neue Autoritäten gesprochen haben.
00:43:32: Ich glaube wenn man dann sozusagen innerhalb einer Deutungsgemeinschaft ist, fühlt man sich sehr sicher in der Deutung.
00:43:39: Man ist ja auch gestürzt, man ist ja gestärkt von anderen die dieselben Deutungen und Meinungen haben und deswegen ... gar nicht mit Mut verbunden im Gegenteil.
00:43:49: Man fühlt sich ja oft, auch das ist vielleicht so ein Side-Effect von dieser fragmentierten Kultur ... im Nachteil.
00:43:57: oder man fühlt sich ja oft als ausgeschlossen, also irgendwie als die Minderheiten Anführungszeichen.
00:44:06: Im Vergleich zu einer wie auch immer gearteten vermeintlichen Mehrheit, die da wohl irgendwo sein soll und gegen die man dann so antritt.
00:44:13: Ja das stimmt.
00:44:14: Also ich glaube für viele hat es dann immer einen gegenkulturellen Weib auch.
00:44:19: Stimmt!
00:44:21: Ich habe in der Schweiz glaube ich mal diesen Begriff Counterculture gehört sich viele Motivationen immer daraus begründen, dass man gegen etwas eigentlich an Kultur schafft.
00:44:32: Das kommt natürlich aus der Kultur.
00:44:33: das ist vielleicht nicht immer übertragbar auf Debatten.
00:44:35: Das zweite was du vorhin aber gesagt hattest war eben dieses Beispiel.
00:44:39: also das Beispiel mit der Hyperinterpretation passt ja auch sehr gut zu diesem Bild davon, dass es fragmentiert ist.
00:44:45: Also was ich meine ist wenn man sich unterhält, wenn man debattiert und streitet dann ist doch immer die Frage ... sind die sozialen Netzwerke nicht eigentlich so angelegt, dass wir mehr übereinander streiten als miteinander.
00:45:00: Weil immer eine Gruppe miteinander redet und in die eigene Echokammer... Und dann regt sich darüber jemand für die eigene Echo-Kammer auf und dann wieder zurück und zurück.
00:45:09: Interessant finde ich, da sind wir wieder bei diesem Punkt mit den Qualitätsmedien.
00:45:12: Drum herum stehen Menschen.
00:45:13: vielleicht stehen wir beide auch drum herum, die nicht an der Debatte teilnehmen wollen oder sich das erst mal nur angucken verstehen im Zweifel bestimmte Codes von bestimmten Gruppen nicht und verstehen nicht, wie die zusammenstehen.
00:45:26: Also es ist ja so fragmentiert, dass ich mich frage wir streiten erstens nicht miteinander sondern übereinander und zweitens verstehen wir einander dabei gar nicht so richtig.
00:45:35: Ja
00:45:36: also dem kann ich auch beiden nur zustimmen und ich glaube das ist auch so ein bisschen den Wermutstropfen oder den ich empfinde wenn ich an die frühzeit der sozialen Medien zurückdenke wo ich schon noch das Gefühl hatte Doch da war dieses Miteinander sprechen durchaus noch vorhanden.
00:45:57: Lustigerweise gerade auch in so einer Facebook-Kultur, wenn ich mich zurück entsinne was dafür Diskussionen stattgefunden haben teilweise im Kommentarbereich.
00:46:07: Da hatte ich schon das Gefühl von eben Diskussion und die Frage ist immer hat es mit der Bubble-Bildung zu tun, ja oder nein.
00:46:18: Natürlich ist das so ein Aspekt davon auch wenn man ja beobachten kann dass eigentlich diese Filterbubbles jetzt... Wenn man sich so neue Entwicklungen in Hinblick auf Algorithmen anschaut, dass sie gar nicht mehr so eine Rolle spielen.
00:46:31: also gerade wenn man jetzt irgendwie TikTok oder Reels anschaut Das ist ja gar nicht quasi Community basiert es ist ja Interessen basiert.
00:46:38: und aber selbst dort sieht man wenn man sich die Kommentarbereiche anschaut ne extreme Gegnerschaft und nicht ein Miteinander ins Gespräch kommen, wie es eigentlich vielleicht wieder möglich wäre.
00:46:50: Aber vielleicht muss das auch wieder so ein bisschen trainiert werden natürlich.
00:46:53: Man ist ja noch irgendwie in diesem Modus drin.
00:46:57: aber da denke ich kommt doch wieder dieses sich angesprochen fühlen, dieses vielleicht auch eh schon so überreizt sein mitten zu.
00:47:05: Und was war jetzt dein zweiter Punkt nochmal?
00:47:07: Die Frage ob wir übereinander reden statt miteinander.
00:47:13: Das war für mich auch der Grund, warum es mir wichtig war aus einer Ich-Perspektive.
00:47:20: Also um mich selbst genau zu beobachten für das Buch und nicht in so eine Situation zu geraten, dass ich über die da im Netz schreibe oder über ... weil man muss manchmal ehrlich mit sich selbst sein wie welche Rolle man selbst spielt natürlich irgendwie dabei.
00:47:43: Und auch klar, wie viel Unwissenheit vielleicht auch dazu beiträgt in Hinblick auf zum Beispiel bestimmte Codes verschiedener Communities und so weiter, auf die man vielleicht aber trotzdem reagiert weil man irgendwie einfach keine Ahnung davon hat uns weiter um etwas zu bestärken, um irgendeinem Narrativ vielleicht irgendwie zum Erfolg zu verhelfen.
00:48:05: Es braucht sehr viel kompetenz, also mediale Kompetenz aber auch sehr viel eben dieser subkulturellen Expertise, um das richtig einzuordnen.
00:48:13: Aber es gibt viele Leute die das tun und es muss halt viel mehr in einem breiteren öffentlichen Diskurs... Also hinzugenommen werden was einfach im Moment nicht so stattfindet weil ich glaube die Kluft immer noch so groß ist zwischen denjenigen die halt irgendwie soziale Medien jeden Tag benutzen, die dann schon Gespür haben eben für subtile Anführungszeichen oder diese Dinge und diejenigen, die das überhaupt nicht haben.
00:48:43: Also die entweder gar nicht in den Social-Media sind ja auch die gibt es noch oder die da wirklich vielleicht sogar relativ unbehelligt von den politischen Diskursen sich bewegen.
00:48:55: Und irgendwie ist es sehr schwer es an die breite Öffentlichkeit zu vermitteln.
00:49:00: Das ist auch was, was einem immer sofort erst auffällt wenn man ein Buch macht weil man sich dann überlegt wie schreibe ich das denn?
00:49:06: Weil ... Wenn ich das jetzt so schrei be, werden wahrscheinlich alle Insider denken oh mein Gott.
00:49:11: also das musst du dir jetzt noch mal erklären.
00:49:12: und wenn ich das aber irgendwie, wenn ich so Anspielungen mache, dann werden wahrscheinlich die anderen denken okay das ist ja eh nur für die Nerds da aus diesem komischen Internet.
00:49:21: Also ich glaube da ist wirklich noch so eine riesige Kluft, die man jetzt doch schnell überwinden muss denke ich
00:49:27: Das ist tatsächlich ein Superübergang, weil jetzt hast du eine sehr breite Bestandsaufnahme gemacht von dieser Debattenkultur.
00:49:36: Von dem Diskurs der anderen stattfindet.
00:49:37: und das was Du gerade gesagt hast also diese Wer nimmt daran teil?
00:49:41: Und wie nimmt man Menschen mit?
00:49:43: Ist ja ein ganz wichtiger Faktor dabei!
00:49:45: Das erste was ich mich frage ist kann nicht von Menschen die auch das gute Recht haben nicht auf den sozialen Netzwerken zu sein wirklich verlangen dass sie sich auf die richtigen Stimmen kommen und selbst sozusagen dazu kommen, dass bestimmte Codes, bestimmte Dinge dechiffriert werden können.
00:50:02: Also das sie in der Lage sind diese Dinge einzuordnen.
00:50:06: Und das andere ist eben ... Weiß nicht.
00:50:09: also wie geht man damit um wenn Menschen nicht teilnehmen einem sozialen wichtigen an einem gesellschaftlich relevanten Diskurs weil sie nicht auf Social Media sind?
00:50:18: Das ist ja schon ein Faktor.
00:50:19: es ist gerade in Deutschland jetzt nicht grade die digitalste Gesellschaft der Welt.
00:50:25: Und da frage ich mich ja schon, reden wir dann nicht an einem sehr großen Teil der Gesellschaft vorbei und können wir von diesem Teilebob verlangen dass sie sich ab to date holen was im Internet passiert?
00:50:36: Naja also ich mein wünschenswert finde ich das tatsächlich schon.
00:50:40: Dass man es als eine Verantwortung wahrnimmt die man eben ergreifen kann oder nicht.
00:50:46: natürlich kann man das nie von allen Menschen erwarten oder verlangen.
00:50:49: Man kann in der Demokratie ja auch nicht von allen Menschen erwarten und verlangen, dass sie die politischen Programme lesen bevor sie eine Wahl tätigen.
00:50:56: Auch das passiert nicht!
00:50:57: Aber ich glaube ins Bewusstsein zu bringen, dass es da etwas gibt, was Sie tun können – eine Verantwortung vielleicht auch da ist, der man sich annehmen kann?
00:51:14: Ich denke, das wäre nicht schlecht.
00:51:16: weil ich, also ich empfinde tatsächlich da so eine Art Verantwortung auch wirklich in meinem ganz persönlichen User-Innenverhalten.
00:51:24: Unabhängig davon dass man natürlich auch weiß okay soziale Medien oder anders Plattformen haben Interessen.
00:51:31: wir sind extrem determiniert dadurch wie sie architektonisch gestaltet sind, wie sie durch Algorithmen gestaltet und natürlich auch, wie Sie zensieren.
00:51:41: Teils natürlich irgendwie auch intransparent und das wird auch eher zunehmen als abnehmen.
00:51:46: von daher kann es für mich jetzt durchaus ist für mich auch eine legitime Haltung zu sagen okay in dem Moment steige ich da aus.
00:51:53: aber natürlich muss einem bewusst sein dass das dennoch die achtzig Prozent der anderen nicht machen und das ist vielleicht auch gerade die nicht machen für die das ein politisches Instrument ist.
00:52:03: Und insofern, ja natürlich würde ich jetzt niemanden sagen du musst jetzt in die sozialen Medien gehen und jeden Tag zehn Minuten und dann so und so viel liken und nicht liken.
00:52:13: Aber man kann schon.
00:52:14: also ich glaube man kann einfach viel bewirken indem man sich da vielleicht auch zusammen tut.
00:52:19: Lustigerweise kennt man das ja auch ganz gut aus der Fan-Kultur.
00:52:22: Ich habe übrigens auch ein Boot zu Kpop geschrieben.
00:52:24: deswegen darf ich mich sehr viel mit der Kpop-Fan Kultur beschäftigt und da funktioniert es ja auch... Also die organisieren sich so krass miteinander um einfach zum Beispiel sehr viel Aufmerksamkeit für in dem Fall eine bestimmte Band herzustellen.
00:52:39: Und man kann organisiert Aufmerksamkeit herstellen, natürlich müssen das nicht alle machen aber diejenigen die vielleicht das Gefühl haben politisch handeln zu wollen oder die Verantwortung eben wahrnehmen zu wollen von denen würde ich dann schon erwarten dass sie das ernst nehmen.
00:52:53: also soziale Medien als ein Feld wo das eben stattfindet und wo man eine Handlungsmacht schon auch hat.
00:53:00: also insofern Ja und nein.
00:53:02: Aber es ist ja schon so, dass eine politische Parteinlandschaft Wahlen auch das Recht an politischer Beteiligung, das ist alles im Grundrecht verbrieft.
00:53:12: Es steht nicht drin, dass über die sozialen Netzwerke passieren muss.
00:53:16: Und meine Frage ist ein bisschen ketzerisch weil ja auch immer gesagt wird und wie du es beschreibst ist es ja auch so, es ist ne aufgehitze dem anderen Landschaft ist ne aufgeheizte gespaltene Gesellschaft fragmentiert, sagst du jetzt.
00:53:28: Also ich finde gespalten ist ja sowieso irgendwie viel zu einfach gesagt.
00:53:32: Das fragmentieren trifft es wahrscheinlich besser.
00:53:35: aber das sind alles sehr krasse Analysen einer politischen Debattenkultur.
00:53:41: und wenn ich mich jetzt, wenn ich mir jetzt überlege Ich kann ja auch das Handy ausmachen.
00:53:45: Ich kann den Computer zuklappen ... zu einer Bürgerversammlung gehen.
00:53:48: Ich kann mich mit meinen Nachbarn austauschen, ich kann... Was
00:53:51: auch wichtig ist!
00:53:52: Genau.
00:53:52: aber ich kann all diese Dinge tun die sozusagen politische Willensbildung irgendwie auch Teil der politischen Willensbildungen sind und ich kann mich auch informieren über Parteiprogramme, ich kan... whatever.
00:54:00: also ich persönlich kenne ehrlich gesagt die Nicht-Online-Mösung sich politisch zu informieren nicht mehr so sehr.
00:54:06: Aber es gibt sie.
00:54:07: Und da frage ich mich doch Da ist die Stimmung würde ich jetzt mal vermuten oder nehme ich auch so wahr?
00:54:12: eine andere Also das Internet.
00:54:14: Die sozialen Medien sind wesentlich extremer darin, diese Spaltung offen zu zeigen als es jetzt ein Gespräch mit meinem Nachbar beispielsweise ist.
00:54:24: Das wird nicht für alle Regionen in Deutschland gelten und das wird nicht die gesamte Gesellschaft gelten.
00:54:28: Das zeigen genug Beispiele.
00:54:30: aber so im Groh ist doch die Bestandsanalyse.
00:54:32: wir sind eine gespaltene Gesellschaft eine digitale Analyse und keine analoge.
00:54:38: oder siehst du das anders?
00:54:39: Ich sehe das anders tatsächlich.
00:54:41: ich weiß dass es gerade auch dass es immer wieder Diagnosen gibt, die das Gegenteil zu belegen versuchen.
00:54:48: Also gespalten ist vielleicht auch ein bisschen zu polargedacht.
00:54:54: Aber auf der anderen Seite habe ich schon den Eindruck, dass die extreme Politisierung zumindest und auch emotionale Aufladung, die damit verbunden ist, längst im Real-Life angekommen ist.
00:55:09: Ich kenne selber viele Menschen und weiß nicht, ob ich ... weil es daran liegt dass ich aus dem Osten komme.
00:55:17: Und auch noch vom Land die eine komplett andere Haltung haben als ich.
00:55:22: Das ist so emotional aufgeladen also auch wenn wir uns begegnen.
00:55:27: Ist da Herzklopfen angesagt?
00:55:29: Und ist da ne Aggression gleich im Spiel Die für mich sogar noch schlimmer ist als die im Netz.
00:55:37: Das Menschen sind die ich kenne, die vielleicht auch liebe.
00:55:41: Weil das Menschen sind, die mir gegenüberstehen.
00:55:43: also da schlägt mein Herz eigentlich noch höher sozusagen als wenn ich jetzt im Netz irgendeinen rechten Troll sehe der halt wieder da ärger ich mich so Aber es ist nicht Es geht mir nicht so an die Nieren.
00:55:55: Also Ich seh durchaus wirklich diese Spaltung oder Diese extreme Emotionalisierung in Hinblick auf bestimmte Diskurse definitiv schon auch im real life und deswegen finde ich, ist es so ernst zu nehmen wie diese ganzen Social Media Mechanismen eben unsere komplette Kultur einfach schon indoctriniert haben.
00:56:19: Und nicht nur den Raum dort meiner Ansicht nach.
00:56:23: Ja dann sollte die etwas ketzerische Frage natürlich führen weil Digitale Hass und digitale Wut am Ende immer eine Konsequenz haben.
00:56:30: Auch im analogen Leben ist ja völlig klar, dass alleine der Hass die Homophobie und Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit beginnen häufig im Netz und der Mut diese oder der zweifelhafte Mut solche Taten zu begehen wird natürlich im Netz geboren.
00:56:47: ich habe es eher in so einem größeren Kontext gesehen das wenn ich jetzt glaube wie gesagt bestimmte Region betrifft das nicht aber ob nicht theoretisch oder vielleicht ist die Frage anders gestellt besser.
00:57:01: Ist der Diskurs, wie er geführt wird online das Problem?
00:57:04: Oder sind die Akteure, die daran teilnehmen das Problem, das ist vielleicht die Frage weil wenn man jetzt sagen wird okay es gibt Anzeichen dafür dass diese Spaltung oder dieser Auseinanderdriften der Gesellschaft online auch im echten Leben passiert dann ist ja die Frage ist einfach der komplette Diskurs online völlig Verrückt und chaotisch.
00:57:25: Das funktioniert nicht mehr oder sind nur die Menschen in ihren Teil haben das Problem?
00:57:27: Also wie gewinnt man das dann zurück, wie kriegt man die Kontrolle zurück über einen Diskurs der im weiten Teilen entglitten ist?
00:57:36: Ich glaube die Akteure und Teilnehmenden sind konstitutiver Bestandteil eines Diskurses Und ich glaube deswegen kann man es tatsächlich nicht trennen.
00:57:44: Und deswegen muss man ja erstmal feststellen okay Diskurse haben sich verändert durch veränderte Akteüre.
00:57:50: so Wie das immer so ist, wenn alte Regeln nicht mehr gelten aber neue noch nicht gefunden werden geht es jetzt natürlich darum diese zu finden.
00:58:02: Diese Regeln oder auch die Bedingungen zu schaffen damit unter diesen neuen Regeln, die es irgendwie gibt ein Diskurs möglich ist der nicht destruktiv ist.
00:58:15: und ich glaube an dem Punkt sind wir eben Vor allem nicht in Deutschland, wo man irgendwie noch nicht mal oder in Europa sozusagen eigene soziale Netzwerke hat.
00:58:23: Das wäre jetzt übrigens zum Beispiel schon einmal so ein Weg zu sagen okay... Man merkt ja auch schon bestimmte Plattformen sind am Sterben kommen vielleicht auch nicht mehr für uns infrage.
00:58:38: aber soziale Medien als Grundprinzip Das wird nicht weggehen, so wir müssen uns glaube ich schon einfach Wege überlegen eigene Plattformen gute Plattform zu schaffen in denen dann vielleicht auch Regeln aufgesetzt werden wie auch immer die aussehen.
00:58:55: Vielleicht müssen sie auch irgendwie politisch stattfinden die ja so oft diese neuen Regeln mit besseren Bedingungen reagieren.
00:59:03: aber im Moment wird ja eher das Chaos forciert.
00:59:08: Also im Moment geht es ja eher darum, möglichst viel Destruktion zu erzeugen um politische Situationen herbeizuführen die glaube ich sich viele nicht wünschen und deswegen müsste man eigentlich auch sehr schnell jetzt handeln.
00:59:25: Ich meine dass ist halt das große Problem die auch die Kräfte über die wir gesprochen haben Das sind teilweise da der politische Wille Reinschaos zu sehen.
00:59:33: Also es geht ja gar nicht mal um eine persönliche Utopie, die mir als Dystopie erscheinen mag aber die irgendwie zumindest ein politisches Ziel irgendwo hat also so eine Art von Ideologie der man noch irgendwo folgen kann sondern ist einfach nur der Wille nach Chaos.
00:59:47: Wie reagierst du auf das Chaos?
00:59:49: Wie kann ich auf das chaos reagieren?
00:59:52: Was mache ich persönlich damit?
00:59:54: Ich persönlich habe dieses Buch geschrieben um auf dieses Chaos zu reagieren.
00:59:57: Also ich bin definitiv wie soll ich sagen Ich versuche schon sehr, sehr bewusst mich durch die sozialen Medien zu bewegen und mir wirklich sehr genau zu überlegen worauf reagiere ich wie.
01:00:16: Und meine eigene Strategie ist eben immer sehr viel einfach zu beobachten es auch zu dokumentieren und für mich dann einzuordnen.
01:00:22: das ist natürlich irgendwie auch für mich vielleicht als Autorin der richtige Weg.
01:00:27: aber ich glaube wirklich dass wenn das alle doch viel bewusster tun würden könnte so ein Zivilisationsprozess vielleicht stattfinden.
01:00:37: Natürlich nicht sozusagen bei denjenigen, die eben das Chaos erzeugen wollen aus politischen Gründen ja aber vielleicht bei denen jene, die sich ja, die da vielleicht jetzt noch so ein bisschen auch drauf reinfallen oder die dann doch weiß ich nicht in YouTube-Video über eine Verschwörungstheorie anschauen weil sie da irgendwie einen Meme oder einen Kommentar online gesehen haben und dann so ein Deep Dive machen Ja, eben nicht den Moment vielleicht erst mal so einen Schritt zurückgehen und sich überlegen.
01:01:08: Warte mal also das wäre übrigens mein Tipp immer bei jedem Posting, bei jedem Kommentar was man im Internet sieht erstmal zu überlegen Was hat die Person eigentlich damit bezweckt?
01:01:19: Also was ist eigentlich der Grund für diese Person das jetzt zu teilen?
01:01:23: So kui bonomäßig.
01:01:26: Auf jeden Fall ich glaube Das bringt schon ganz, ganz viel.
01:01:30: Ich glaube und also zwei Sachen... Also einmal warum hat die das überhaupt gemacht?
01:01:33: Da kommt man schon auf vieles.
01:01:34: Die meisten haben ja auch wirklich persönliche Gründe etwas zu teilen.
01:01:37: Und dann natürlich auch was für einen Effekt hat das?
01:01:43: sozusagen wenn ich jetzt reagiere, wenn ich das jetzt kommentiere
01:01:46: usw.,
01:01:46: so in beide Richtungen glaube ich.
01:01:48: sich diese Frage immer zu stellen wäre ein guter Anfang glaube ich so bewusster sich durch das Social Web zu bewegen.
01:01:57: Du hast dich durch dieses Social-Web und vor allem durch wahrscheinlich ziemlich viel Hass und ziemlich viel Wahnsinn gesucht, um das Buch zu schreiben nehme ich mal an.
01:02:09: Wenn du das jetzt heute kommst raus, jetzt kannst du zurückblicken auf die Arbeit dafür.
01:02:14: Lässt das noch Platz für eine digitale Utopie bei dir?
01:02:20: Lange Sprecherpause!
01:02:23: Was glaube ich damit zu tun hat dass es...
01:02:25: Wir haben das Gespräch begonnen bei der Demokratisierung von sozialen Netzwerken und das war mal eine digitale Utopie.
01:02:31: Und wie du sagst, ich erinnere mich gut daran dass es wirklich mal so ein von wow was geht hier abzu?
01:02:36: Das kann genau das sein!
01:02:37: Wie viel ist davon jetzt noch übrig bei
01:02:39: dir?!
01:02:40: Es ist definitiv das pessimistischste Buch, was ich hier geschrieben habe und auch generell.
01:02:46: Ich bin eigentlich für meinen Kulturoptimismus bekannt und bin immer die, die sagt nein es ist doch alles toll, Digitalkultur und Popkultur usw.
01:02:53: Und das hat so viel Kraft und so viel Macht im Guten aber eben leider auch im Negativen und tatsächlich ist wenig Raum finde ich für Optimismus im Moment.
01:03:05: Gleichzeitig habe ich bemerkt bei meiner Recherche, wie viel Luft nach oben ist um doch viel gestalten dazu wirken und also alles sozusagen was vielleicht auch gerade neue Rechte an Vorlauf haben.
01:03:19: Also was auch die instrumentelle Verwendung von diesen oder die Instrumentalisierung all dieser Mechanismen betrifft.
01:03:27: ja es gibt Formate die man sich sicher überlegen kann.
01:03:31: Natürlich ist so ein bisschen das Problem.
01:03:34: glaube dass man als anständiger seriöser Mensch einfach sehr große Hemmschwellen hat, was sozusagen bestimmte Kommunikationsstrategien betrifft.
01:03:46: Zum Beispiel Wahrheit ist komplett egal.
01:03:48: Streuen wir einfach irgendwelche Gerüchte.
01:03:51: Weiß ich nicht, was in die Wunde und so weiter?
01:03:53: Natürlich soll es nicht sein, das sollen wir natürlich irgendwie nicht machen.
01:03:57: Aber ich glaube, es ist sehr viel Luft nach oben im Hinblick auf wie kann man Memes nutzen oder Formate nutzen... gut funktionieren, die anschlussfähig sind.
01:04:06: Die in dieser Reaktionskultur einen Bestand haben und wie kann ich gleichzeitig eine Resilienz für das Beteiligtsein an der Reaktionskultur erzeugen?
01:04:16: Insofern ist es jetzt nicht wahnsinnig pessimistisch aber schon.
01:04:22: Ich gucke schon sehr besorgt auf die Gegenwart der sozialen Medien darüber hinaus auf all Ihre Folgen auch übrigens ein Teil vielleicht noch zum Schluss.
01:04:31: Es ist nicht nur, dass ich mir quasi die Folgen für den gesellschaftspolitischen Diskurs anschaue sondern auch wirklich was macht das mit uns ganz persönlich so?
01:04:40: dieses ausgesetzt sein dieser Reaktionskultur?
01:04:44: und deswegen das ist der Titel ich nenne es hyperreaktiv weil ich wirklich glaube wir sind so hyper reaktiv geworden also in so einem komischen fieprigen Zustand zwischen einerseits hat man das Gefühl ganz viel machen zu können ganz viel bewirken zu können und andererseits hat man das Gefühl, man ist so sehr unter Druck das dann auch wahrzunehmen.
01:05:03: Sich positionieren zu müssen irgendwie immer auf alles reagieren zu mussten was so passiert und es kann man gar nicht mehr bewältigen.
01:05:10: und diese Situation glaube ich ist auch noch sehr unterbeleuchtet.
01:05:15: Was macht das mit uns als Menschen einfach?
01:05:18: Und insofern ja ein bisschen optimistisch bin ich am Ende natürlich Trotzdem.
01:05:27: Auch da wieder lange Sprecherpause, vielleicht kommt der Spaß in den sozialen Netzen auch irgendwann mal wieder zurück?
01:05:32: Ich weiß es nicht!
01:05:33: Es ist ja noch Spaß da.
01:05:35: also ich meine das möchte ich vielleicht schon nochmal betonen dass die Reaktionskultur auch so schöne Formate hervorgebracht hat und da passiert auch echt viele tolle Sachen und viele kluge Sachen aber natürlich alles so im Freilauf.
01:05:52: Also irgendwie eben ohne Einordnung, ohne Kontextualisierung und da muss es doch glaube ich noch sehr viel mehr.
01:05:59: also was gerade abgebaut wird, Moderation, Faktenchecks
01:06:02: etc.,
01:06:02: Pp müsste eigentlich aufgebaut werden damit sozusagen auch diese guten Bereiche wirksam werden können.
01:06:10: Ja, Modération, Modration, Modression das ist sicherlich richtig.
01:06:15: Diese Moderation muss das Gespräch an dieser Stelle beenden.
01:06:20: Es hat mir ganz große Freude gemacht, es war wahnsinnig interessant und ich glaube wir haben für eine nächste Republikasfolge zehntausend Fragen die ich noch stellen könnte.
01:06:28: Ja
01:06:29: gerne!
01:06:30: Aber es war eine sehr groß Freude und ich danke dir sehr fürs spannende Gespräch.
01:06:34: Und ich danke Dir.
01:06:35: vielen Dank für
01:06:35: die Einladung.
01:06:40: Es bleibt am Ende die Feststellung Reaction is King.
01:06:44: Mit diese Erkenntnis endet nicht nur diese Folge des Republikast sondern so beginnt auch Anne-Kathrin's Buch.
01:06:52: Sie eröffnet es mit diesen Worten, wer kennt das nicht?
01:06:56: Kaum hat der Tag begonnen schon hat man zig Posts und Stories durchgeklickt ein Meme geliked gezögert ob man einen Meme liken soll viel zu viele Kommentare und Nachrichten gelesen manche geliked sich über einen wildfremden Menschen und sämtliche Lifetickermeldung geärgert Und aus Versehen eine Werbung geklickt weswegen einem nun monatelangen Thermomix Zubehör angezeigt wird.
01:07:17: Wir User reagieren bevor wir denken.
01:07:21: Wir liken, bevor wir fühlen.
01:07:23: Wir empören uns – weil es nun mal alle tun!
01:07:26: Die frühere räumliche und zeitliche Begrenzung von Reaktionen ist aufgehoben.
01:07:31: Ein lokales Ereignis kann binnen Stunden globale Protestwellen auslösen.
01:07:35: Kulturelle Trends verbreiten sich in Echtzeit über Kontinente hinweg.
01:07:40: Diese Dynamik wird durch Algorithmen systematisch verstärkt die gezielt reaktionsintensive Inhalte priorisieren.
01:07:48: So ist aus der menschlichen Neigung zu reagieren ein kommerzielles Prinzip geworden, in der digitalen Aufmerksamkeitsökonomie sind Reaktionen zur wichtigsten Währung amassiert.
01:07:59: Reaction is king!
01:08:03: So einen kurzer Auszug aus der ersten Seite und in dieser Folge haben wir auch gehört was das mit unserer Gesellschaft potenziell macht.
01:08:11: zum einen wird der digitale Raum zunehmend unkontrollierbar Die Natur unserer Debatten wird verzerrt.
01:08:16: Sie werden aufgeheizt, eine Dynamik die sich dann auch mehr und mehr in die analoge Lebenswelt überträgt.
01:08:24: Es fehlt der Fokus auf Lösung – die Auseinandersetzung mit Wissen und Meinung und die Kanalisationen, die eine zielführende Debatte eigentlich bräuchte.
01:08:34: Die Plattformen kreieren ihre eigenen Regeln, denen man schwer herhört.
01:08:38: Wenn wir reagieren vergessen wir zu agieren!
01:08:42: Menschen wie Steve Bannon, die sagten flat the zone with shit wissen das.
01:08:47: Das sind Menschen, die der Grund sind warum die US-Regierung um Trump beispielsweise stetig neue Meldungen verursacht und Stöckchen hinhält über die wir springen sollen.
01:08:56: wenn wir reagieren verliern wir den Überblick verlieren wir das große Ganze aus den Augen und geben ein Teil unserer Macht ab.
01:09:04: doch hier liegt zumindest auch ein Teil der Lösung.
01:09:07: Plattformen müssten demokratischeren und wirklich sozialen und austauschorientierten Vorgaben folgen.
01:09:14: Ein politischer Akt also, über den wir in diesem Podcast immer widersprechen.
01:09:18: Aber natürlich ist da auch immer noch die eigene Kontrolle.
01:09:22: Das Verhalten auf den sozialen Netzwerken nicht nur als belanglos zu verstehen Ist der erste Schritt.
01:09:28: Reaktionen haben eine Aussage.
01:09:30: Diese Erkenntnis hilft vielleicht dabei Nicht über jedes Stöckchen zu springen.
01:09:34: Eine kritische Auseinandersetzung mit gehörtem, gesehnem und geteiltem hilft dem eigenen Instinkt zu widerstehen sofort eine Haltung zu haben.
01:09:44: Denn wie so oft scheint es nicht die böse Absicht von Menschen zu sein – die Kern des Problems ist?
01:09:50: Sondern die Art, wie unsere Kommunikation zu unseren Absichten abläuft!
01:09:57: Das war eine neue Folge des Republikas.
01:10:00: Wenn ihr keine Folge verpassen wollt Auch von unserem Republikast Spezial mit Markus Beckerdahl zur digitalen Civilgesellschaft, dann abonniert diesen Podcast.
01:10:09: Und wenn er euch gefällt, dann bewertet ihn doch!
01:10:31: und danke fürs Zuhängen.
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